Haben Sie noch kein Abo von FrauenLand?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits FrauenLand-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 17:00 Uhr

Haben Sie noch kein Abo von FrauenLand?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits FrauenLand-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 17:00 Uhr

Waschen mit europäischem Öl

Ein Waschmittel, das ganz auf Palmöl verzichtet und stattdessen mit europäischen Pflanzenölen hergestellt wird. Das galt bis vor Kurzem als unmöglich. Regine Schneider hat es geschafft. Die Chemikerin stellt mit ihrer Firma eine neue Art von ökologischen Reinigungsmitteln her.


Publiziert: 25.06.2019 / 15:20

Monokultur soweit das Auge reicht. Schlechte Arbeitsbedingungen. Herbizide und Pestizide im Dauereinsatz.

Regine Schneider hat mit eigenen Augen gesehen, wie auf Palmöl-Plantagen gewirtschaftet wird. «Ich sagte mir, das muss doch auch anders gehen. Das war der Anfang von Good Soaps», erzählt die Chemikerin. 

Vor acht Jahren gründete sie die Firma gemeinsam mit zwei Mitstreitern in Luzern. Ihr Ziel: Ökologische Reinigungsmittel auf Basis europäischer Pflanzen herstellen.

Sauber ohne Palmöl

Zwei Jahre später brachte das Unternehmen die ersten palmölfreien Reinigungsprodukte auf den Markt, wie Geschirrspülmittel, WC- oder Küchenreiniger. Waschmittel ohne Palmöl herzustellen ist allerdings bedeutend kniffliger. 

Bis in die 1940er-Jahre wurden Kleider mit Seife gewaschen. Dann kamen Tenside auf Erdölbasis ins Spiel. Sie reinigten deutlich besser, schonten das Gewebe und waren praktisch in der Handhabung. Der Aufstieg der Pulverwaschmittel begann.

Der Siegeszug des Palmöls

Ab den 1970er-Jahren wurde mehr und mehr Palmöl für Tenside verwendet. «Chemisch gesehen ist es dem Erdöl sehr ähnlich. Das heisst, die Rezepturen mussten nicht verändert werden und Palmöl war deutlich billiger.»

Doch seit Anfang des 21. Jahrhundert ökologische Fragen ein Thema sind, geriet der Palmölanbau unter Beschuss.

Palmöl findet sich in der Hälfte aller abgepackten Waren, vom Lippenstift über Fertigpizza bis zu Reinigungsmitteln.

Denn es hat eine Reihe von Vorteilen: Es lässt sich leicht und vielseitig verarbeiten. Die Erträge pro Hektare sind hoch und es bietet Millionen von Kleinbauern Arbeit. 

Heute werden jährlich über 70 Millionen Tonnen Palmöl produziert, auf einer Fläche vier Mal so gross wie die Schweiz. Die hohe Nachfrage hat auch Schattenseiten, wie zum Beispiel: 

 Abgeholzter Regenwald, zerstörte Torfmoore.

 Biodiversität und Artenvielfalt leiden.

 Die angestellten Arbeiter werden teils schlecht bezahlt und behandelt, bis hin zu Kinder- und Zwangsarbeit. 

Ein hoher, für Menschen gesundheitsgefährdender Einsatz von Pestiziden.

• Das Öl muss rund 20 0000 Kilometer nach Europa transportiert werden. 

Hiesige Landwirte befürchten zudem, dass Palmöl den Absatz der einheimischen Öle beeinträchtigt.

Wie heisst nachhaltig?

Für Waschmittel wird praktisch nur Palmkernöl verwendet, was die Sache nicht besser macht. Da die Kerne der Palmfrüchte sehr hart sind, braucht es zusätzliche Arbeitsschritte, zusätzliche Transportwege und zusätzliche Energie.

«Die Ölgewinnung erfolgt erst nach dem Trocknen und Zerkleinern zu Kernschrot», erklärt Regine Schneider. «Dieses wird dann gepresst, in manchen Fällen wird das Öl auch mit Lösungsmitteln extrahiert.»

Die Palmölproblematik ist nicht neu und bereits vor 15 Jahren wurde ein runder Tisch für nachhaltiges, zertifiziertes Palmöl gegründet, der «Roundtable on Sustainable Palm Oil» (RSPO). 

Doch zum einen stammen heute noch rund 80 Prozent des weltweit verwendeten Palmöls aus nicht zertifizierter Produktion.

Es geht nicht nur um die Mengenbilanz

Zum anderen wird dem RSPO-Label von verschiedenen Seiten vorgeworfen, nicht genug für nachhaltig produziertes Palmöl zu tun: Zu wenig ambitionierte Ziele und Kriterien, ungenügende Kontrollsysteme, ein wirkungsloser  Sanktionsmechanismus.

Für Regine Schneider kommt noch ein anderer Punkt dazu: «Wird im Zusammenhang mit Palmöl von Nachhaltigkeit gesprochen, geht es  nur um eine Mengenbilanz. Es ist eine Art Freikaufen, ähnlich wie bei der Co2-Kompensation. Die Rückverfolgbarkeit ist nicht gewährleistet.» Kokosöl sei aus ökologischen Gesichtspunkten übrigens keine Alternative zu Palmöl, da die Problematik dieselbe bleibt. 

Ganz neue Rezepte

Regine Schneider hat sich daher für einen anderen Weg entschieden: Die Good-Soaps-Produkte enthalten nur Tenside, die aus europäischen Pflanzen hergestellt werden, wie etwa Raps und Sonnenblumen.

Je nach Produkt kommen fünf bis sieben verschiedene Öle zum Einsatz. Bis die Rezepturen stimmten, brauchte es jahrelange Entwicklungsarbeit, intensive Tests mit sämtlichen Inhaltsstoffen und über 5000 Versuche mit Flecken aller Art. 

Ein grosser Zeit- und Kostenaufwand. Inzwischen ist die Erfindung patentiert. Für ihre Innovationen wurde das Unternehmen von der Klimastiftung Schweiz unterstützt und erhielt vor kurzem den diesjährigen Umweltpreis der Albert Koechlin Stiftung.

Keine klare Deklaration

«Lange Zeit hiess es, es sei technisch unmöglich, europäische Öle für Tenside zu verwenden. Denn sie sind ungesättigt und können instabil werden. Doch wir haben es geschafft, eine eigene Technologie zu entwickeln.» 

Good Soaps ist der einzige Hersteller in Europa, der ganz auf hiesige Pflanzen setzt. Denn auch Öko-Waschmittel verwenden Palmöl für die Tenside.

«Als Konsument kann ich den Inhaltsangaben eines Waschmittels nicht entnehmen, welche Rohstoffe verwendet werden. Mein grosser Wunsch wäre daher Transparenz bezüglich Palmöl bei den Inhaltsstoffen. Doch da spüren wir viel Widerstand bei den Herstellern.» 

Alles wird reinvestiert

Standort Europa heisst nicht automatisch, dass die Pflanzen ökologisch angebaut werden. Daher sei es nicht einfach, geeignete Rohstoffe zu finden.

«Wir wollen wissen, woher sie kommen, und dass sie von A bis Z umweltfreundlich angebaut werden.» Die beiden Good-Soaps-Waschmittel enthalten zudem keinen Mikroplastik, keine Farb-, Füll- und Konservierungsstoffe. 

Schwarze Zahlen

Mittlerweile schreibt Good Soaps schwarze Zahlen. «Doch wir reinvestieren alles in die Firma. Wir wollen  unsere eigene Produktionsstätte in der Schweiz, damit wir unabhängiger werden.»

Derzeit produziert die Firma noch im Schwarzwald. Regine Schneider ist bei jeder Charge vor Ort. «Da wir mit Naturprodukten arbeiten, muss man das Rezept immer spontan anpassen.»

Zu den Kunden gehören Unternehmen, Organisatoren und Privatpersonen. Bestellt werden können die Produkte vorerst nur über den eigenen Online-Shop. Regine Schneider ist stolz darauf, mit ihren Wasch- und Reinigungsprodukten einen neuen Weg zu gehen.

«Viele Umweltschutzbeiträge sind unbequem. Beim Wasch- und Reinigungsmittel kann man von einem Tag auf den anderen ohne Qualitätseinbussen umstellen.»

Weitere Informationen:

www.goodsoaps.ch

Waschmittel in Streifen

Neue Waschmittelwege geht auch «Dizolve»: Das Mittel setzt auf dünne Streifen, die zur Wäsche in die Trommel kommen. Das Waschmittel auf den Streifen ist 16-Mal konzentrierter als herkömmliche Produkte. 

«Ich habe Dizolve in Kanada entdeckt», sagt Peter Brülisauer, der das Produkt in der Schweiz vertreibt. Entwickelt und hergestellt wird das Produkt in Moncton, einer Stadt in der strukturschwachen kanadischen Provinz New Brunswick.

«Derzeit wird Dizolve per Schiff in die Schweiz geliefert. Doch wir hoffen, längerfristig einen Produktionsstandort in Europa zu finden.» Die Vorteile der nur drei Gramm schweren Streifen: Kein Schleppen von schweren Waschmittelbehältern und deutlich weniger Abfall.

Die Tenside werden aus Kokosöl aus nachhaltigen Quellen hergestellt. Das Waschmittel kommt ohne Farbstoffe, Parabene und Enzyme aus. 

www.dizolve.ch

 

Kommentare (0)
Kommentar erfassen
Sechs Tipps und Fakten zum Thema umweltfreundlich Waschen
Was ist beim umweltfreundlich waschen wichtig? Welche rechtlichen Grundlagen gelten? Welche Alternativen gibt es zu herkömmlichen Waschmitteln?
Artikel lesen
1. Das gilt bei Waschmitteln Welche Vorschriften für Waschmittel in der Schweiz gelten, ist in Anhang 2.1 der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) geregelt. Ein Punkt ist die Abbaubarkeit: Tensinde müssen 70 bis 80 Prozent abbaubar sein. Generell stellen heutige Waschmitteltenside für unsere Kläranlagen kein Problem dar. Andere Substanzen wie Schaumbildner, Phosphatersatzstoffe oder ...
Folgen Sie uns