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Interview: «Ich war immer ein wenig eine Exotin»

Magdalena Schindler war vor 30 Jahren die erste Dozentin für Milchwirtschaft in der Schweiz. Seit 2003 ist sie Direktorin der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL). Frauen rät sie zur Umsicht bei Teilzeitpensen und zu anerkannten Ausbildungen.


Publiziert: 10.08.2017 / 13:22

Frau Schindler, wie hart ist es, beruflich oft die erste und einzige Frau zu sein?

Magdalena Schindler: In der Milchwirtschaft blickten am Anfang einige Männer schon skeptisch. Doch ich war jung und liess mich nicht ins Bockshorn jagen. Ich war zwar immer ein wenig eine Exotin, aber diesen Sonderstatus habe ich durchaus auch geschätzt.  Wenn man seine Sache gut macht, wird man akzeptiert. Die Dritte zu sein, ist vielleicht schwieriger. Dann wird man sofort verglichen. Schon als ich anfing, stellte man an Frauen höhere Ansprüche als an Männer. Das hat mich nie gestört, ich stelle auch an Männer hohe Ansprüche. Und mancher Mann wäre nie so weit gekommen, wenn er eine Frau wäre.

Wie kamen Sie zur Milchwirtschaft? 

Ich studierte Lebensmitteltechnologie an der ETH und hatte ein breites Interesse an Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaft. Ich wollte kein Monofach studieren. Die Milchwirtschaft ist ganzheitlich und sprach mich daher als Spezialisierungen an.

Woher kommt ihr Interesse an Naturwissenschaften?

Meine Eltern waren ursprünglich Sek-Lehrer. Meine Mutter unterrichtete Mathematik und Naturwissenschaften, mein Vater Sprachen und Geschichte. Dadurch habe ich mir wohl nicht automatisch einen Frauenberuf ausgesucht. Ich hatte keine Berührungsängste.

Sie haben sich für eine Karriere entschieden. Was brauchte es dazu?

Unter anderem braucht es klare Prioritäten. Als ich 1995 Vize-Direktorin wurde, war unsere Tochter erst vier Jahre alt. Mein Mann und ich teilten uns die Betreuung auf und wohnten bewusst in einem Quartier mit Tagesschule. Hobbys wie Nähen und Chorsingen gab ich damals auf, weil mir die Zeit dafür fehlte. Ich arbeitete nie weniger als 70 Prozent. Noch heute hört meine Arbeitswoche nicht nach 42 Stunden auf. Aber dafür habe ich eine gut bezahlte Führungsaufgabe, die mir sehr gefällt. 

Engagieren sich Frauen genug für ihre Karrieren? 

Frauen tragen in der Familienzeit noch immer die Hauptlast. Sie scheuen oft zurück, im Beruf mehr Verantwortung zu übernehmen, und reduzieren ihr Arbeitspensum stark, sobald ein Kind da ist. Hier halten sich in der Schweiz die alten Rollenmodelle hartnäckig. Die Schweizerinnen sind zwar gut ausgebildet. Aber wenn sich bei einem Job abzeichnet, dass man nicht mehr um fünf Feierabend machen kann, bewerben sie sich nicht viele dafür. Doch das bringt sie beruflich nicht weiter.

Aber Teilzeitpensen helfen in der Familienzeit …

Und wir haben an der HAFL auch Männer, die aus familiären Gründen weniger arbeiten. Doch wer die Stellenprozente zu stark zurückfährt, riskiert den Wiedereinstieg. Vom ganz Aussteigen rate ich sowieso ab. Wichtig ist, dass man gut qualifiziert ist, zumindest Teilzeit im Beruf bleibt und sich kontinuierlich weiterbildet. Wer einen Führungsjob will, sollte immer 60 Prozent arbeiten, mindestens. Sehr entlastend ist zudem eine familienexterne Kinderbetreuung, sonst bringt man nicht alles auf die Reihe.

Lohnen sich spezielle Weiterbildungen für Frauen?

Mentorinnen-Programme oder Kommunikationskurse nur für Frauen können helfen. Doch ich habe den Eindruck, die jungen Frauen von heute brauchen das gar nicht. Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Allerdings spürt man nach wie vor die gläserne Decke, wenn man Karriere machen will. Es sind noch Vorurteile da und es fehlt an der Selbstverständlichkeit, dass sich auch bei Frauen Karriere und Familie verbinden lässt.

 Wie können sich Frauen gegenseitig unterstützen?

Geht es um Führungspositionen, funktionieren oft Seilschaften. Man trifft sich an einem Apéro oder an einem Match. Dort hineinzukommen, ist für eine Frau schwer. Oft fühlt man sich als Frau allein an einer Bar unter lauter Männern auch nicht so wohl. Ich selbst habe mich halbprivat mit anderen Frauen vernetzt. Dort fühle ich mich besser verstanden als in reinen Männergremien. Eine dieser Frauen fördert andere Frauen zum Beispiel bewusst, indem sie ihnen eine Plattform gibt. Das ist wichtig, um überhaupt gesehen zu werden. Erscheint ein Name in einem Vortragsprogramm, erinnert man sich bei der Besetzung eines Kaderpostens eher daran. 

Worauf sollten Frauen bei der Ausbildung achten? 

Ganz wichtig ist, dass die Ausbildung anschlussfähig ist, da muss man gerade in der Landwirtschaft aufpassen. Ein Hauswirtschaftjahr kann als Zwischenlösung durchaus Sinn machen. Bedenken habe ich, wenn das die einzige Ausbildung ist. Ich lege jeder Frau ans Herz, einen formalen Erstabschluss anzustrengen, zum Beispiel eine Berufslehre. Denn das Leben hört nicht damit auf, dass man einen Mann findet.

 

Zur Person

Magdalena Schindler, ist Direktorin der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen BE, die 2017 ihr 50-jähriges Jubiläum feierte. 

Die 58-Jährige ist zur Zeit die einzige Frau mit Stimmrecht in der Fachhochschulleitung der Berner Fachhochschulen. Magdalena Schindler ist verheiratet, Mutter einer 25-jährigen Tochter und lebt in Bern. 

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