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Interview: 5 Fragen an Anita Haegeli Krieg

Rund 5000 junge Menschen erleiden jährlich in der Schweiz eine Hirnverletzung. Wer vor dem Ausbildungs- oder Berufsabschluss betroffen wird, fällt durch sämtliche Netze – für den Rest des Lebens. Der Verein «Wurzelflug» will betroffene Jugendliche unterstützen.


von Marie-Isabelle Bill
Publiziert: 07.12.2017 / 15:59

1. Warum gründeten Sie den Verein Wurzelflug?

Unser achtzehnjähriger Sohn erlitt einige Tage nach einem Ballschlag an den Hals einen Schlaganfall. Dieser gilt als Krankheit, auch bei ihm – es war ja kein Unfallverursacher da. Jugendliche haben meist noch nicht gearbeitet und somit keine Beiträge an die AHV oder IV bezahlt. Sie werden eingestuft wie ältere Menschen mit Schlaganfall.
Das Resultat ist eine Minimalrente und fehlende Unterstützung bei der Ausbildung. Jugendliche fallen deshalb in jeder Hinsicht zwischen Stuhl und Bank. Wir entschlossen uns, etwas dagegen zu unternehmen.

2. Was sind die Auswirkungen einer Hirnverletzung?

Eine Hirnverletzung ist unwiderruflich. Diese Jugendlichen werden kaum je mit einem Vollpensum arbeiten können. Sichtbare Handicaps einer Hirnverletzung sind beispielsweise Lähmungen oder Sprachstörungen. Die jungen Menschen ermüden rasch und haben ein schlechtes Erinnerungs­vermögen. Sie haben Schwierigkeiten, einer Diskussion zu folgen und mit dem sozialen Umfeld mitzuhalten. Dadurch werden sie oft ausgegrenzt und kämpfen zusätzlich noch gegen wirtschaftliche Probleme an. Ihre Zukunft erscheint da ziemlich düster. 

3. Was bedeutet der Name Wurzelflug?

Junge Menschen erleben so einen Schicksalsschlag völlig anders als Ältere. Ihr Lebensziel wird innert Sekunden vernichtet. Aber gerade sie sind voller Hoffnung und haben einen unbezähmbaren Willen; sie wollen zurück ins Leben, in ein neues Leben. Ihr Wille zum Fliegen, zurück in die Freiheit, ist stark und fest wie eine Löwenzahnwurzel, die man kaum ausreissen kann. Wir wollen sie mit «finanziellen Flügeln» unterstützen. 

4. Was tun Sie konkret für jugendliche Betroffene?

Zum einen mit Öffentlichkeitsarbeit: Wir informieren und sensibilisieren Arbeitgeber, sodass sie bereit sind, Jugendliche mit einer Hirnverletzung anzustellen und auszubilden. Ähnlich, wie es dies heute schon für psychisch erkrankte Jugendliche gibt. Zudem wollen wir helfen, die Lücken im Gesetz zu schliessen, damit diese jungen Menschen Zukunftschancen haben. Der weitaus grössere Anteil unserer Arbeit ist, Betroffene finanziell zu unterstützen: zum Beispiel mit einem Beitrag an Ausbildungen, Nachhilfestunden, Transportkosten, externen Therapien, Selbstbehalten, oder einem Zustupf an die Ferien.

5. Wie geht es weiter?

Die betroffenen Jugendlichen haben ein Recht auf Ausbildung, damit sie wieder voll integriert leben können. Die Gesetzeslücke für Jugendliche die ohne Abschluss, ohne AHV/IV, SUVA und UVG dastehen, muss geschlossen werden. Um unser Anliegen in die Politik einzubringen, benötigen wir Unterstützung, die nach viel Öffentlichkeitsarbeit verlangt. Soziale Institutionen, Ärzte und Spitäler und auch die Medien müssen auf die Problematik aufmerksam gemacht werden. Die soziale Integration in Alltag, Beruf und Freizeit ist für die jungen Leute Motivation und beste Therapie. Denn das Ziel ist, ihnen ein selbstbestimmtes Leben ohne Unterstützung durch die Eltern zu ermöglichen.

Anita Hagele Krieg

Anita Haegeli (64) führt einen Verlag für Handarbeitsmagazine und ist zuständig für die Kreativseite von FrauenLand. 2011, mit dem Schlaganfall ihres Sohnes Manuel, änderte sich ihr Leben innert Augenblicken: Es begann ein langer, frustrierender Marsch durch den Dschungel der Versicherungen und ein Kampf gegen Gesetzeslücken. Die aussichtslose Situation der Betroffenen will sie mit dem 2016 gegründeten Verein bekämpfen und Jugendliche finanziell unterstützen. Anita Haegeli lebt mit Mann und Sohn in Münchenbuchsee.
www.wurzelflug.ch

 

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