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Blasenschwäche: Das stete Tröpfeln ist noch immer ein Tabuthema

Die wenigsten Frauen sprechen von sich aus darüber, selbst beim Arzt: Harninkontinenz ist ein Tabu, obwohl das Leiden Körper, Psyche und Lebensqualität teils massiv beeinträchtig. Doch gegen Blasenschwäche kann etwas getan werden.


Ich kenne jede Schweizer Autobahn-Toilette.» Dora* besucht oft ihre Enkelkinder in den anderen Landesteilen. Und Chantal* gesteht: «Mir ist peinlich, wenn ich während eines Konzertes husten muss, weil ich dann das Gefühl habe, ich mache in die Hose.» Privat sprechen die beiden Frauen ausnahmsweise offen über ein heikles Thema. Chantal erzählt weiter von einer gemeinsamen Bekannten, die aus dem Turnverein austreten will. Es sei ihr peinlich, dass sie während des Turnens immer wieder mal einen nassen Slip habe. Nach Urin müffeln? Nein, da bleibe sie lieber zu Hause.

«Es ist tragisch, wenn sich Frauen wegen Blasenproblemen aus dem Gesellschaftsleben zurückziehen», sagt Christoph Honegger, Chefarzt der Frauenklinik am Zuger Kantonsspital. «Dabei können Harninkontinenz und andere Blasenbeschwerden in den meisten Fällen mit gutem Erfolg behandelt werden.»

Harninkontinenz schränkt die Lebensqualität oft erheblich ein, im Alltag, im Beruf und in der Freizeit. Doch Scham und ungenügende Kenntnisse über Behandlungsmöglichkeiten halten viele Betroffene oft jahrelang davon ab, darüber zu sprechen – selbst mit ihrem Arzt.

Keine Einzelfälle

Dabei sind Blasenprobleme weit verbreitet. Jede dritte Frau nach einer Geburt und 40 bis 60 Prozent der über Fünfzigjährigen klagen über Inkontinenzsymptome. Mit zunehmendem Alter nehmen Häufigkeit und Schweregrad zu. Aber drei Viertel der Betroffenen sprechen nicht darüber.

«Oft fängt es langsam an», weiss Dorothee Hunziker. Die Physiotherapeutin aus Biel hat sich ganz auf das Thema Beckenboden spezialisiert. «Meist muss der Leidensdruck hoch sein, bis sich eine Frau Hilfe holt.» Es gibt verschiedene Gründe, warum eine Blase nicht mehr ganz dicht hält. Ein erster Schritt ist daher eine genaue Abklärung.

Nicht schnell genug beim WC

Was der Volksmund «nervöse oder Reizblase» nennt, heisst in der Fachsprache «über- oder hyperaktive Blase». Fast jeder sechste Erwachsene leidet daran, es ist eine der häufigsten Krankheiten.

Macht sich regelmässig ein plötzlicher und starker Harndrang bemerkbar, spricht man von einer Dranginkontinenz. Die Beschwerden entwickeln sich oft über Jahre hinweg. Betroffene achten überall auf Toiletten oder vermeiden gar das Verlassen der Wohnung. Viele müssen auch nachts mehrmals aufs WC und fühlen sich dadurch tagsüber müde.

Hormonmangel macht anfällig

Blasenprobleme wie diese machen sich bei vielen Frauen in den Wechseljahren bemerkbar. Die Schleimhäute werden trockener und oft auf der Oberfläche leicht rissig. Als «Reservoir» muss sich die Blase aber dehnen können. Ist die Schleimhaut weniger elastisch, meldet sie schon bei einem kleineren Füllvolumen als früher: «voll, bitte leeren». Zudem wird die Blasenschleimhaut anfälliger für Infektionen.

Auch Schwangere scheinen dafür anfälliger zu sein. In der Schwangerschaft kommt es zudem häufiger zu einer Ausdehnung der Blasenentzündungen auf die Nieren. Harnwegsinfekte müssen deshalb sehr ernst genommen und sofort behandelt werden, um weitere Komplikationen zu vermeiden.

Bis zu einem halben Liter

Manchmal steckt hinter einer «Reizblase» auch ein antrainiertes Verhalten: Wer «zur Sicherheit» regelmässig auf die Toilette geht obwohl er nicht muss, gewöhnt die Blase an immer kürzere Intervalle. Doch eine gesunde Blase kann vier bis fünf Deziliter Urin halten. «Betroffenen Patientinnen empfehle ich daher oft, beim Toilettengang die Urinmenge zu messen, um ein Gefühl für die Menge zu bekommen», erklärt Dorothee Hunziker. «Ein Deziliter ist zu wenig, um aufs WC zu gehen.»

Blasen- und Beckenbodentraining

Je länger die Beschwerden bestehen, desto anspruchsvoller ist die Therapie. Nach einer Abklärung beim Arzt erfolgt oft eine Überweisung an eine spezialisierte Physiotherapeutin. Hier lernen von einer Reizblase betroffene Frauen mit Hilfe eines Blasentrainings, die WC-Intervalle wieder auszudehnen. Das Ziel: Tagsüber nur noch alle zwei bis drei Stunde ein Toiletten-Gang, nachts höchstens einmal. Sehr wichtig ist auch ein angepasstes Beckenbodentraining. Dabei lernen die Frauen, die Becken-
bodenmuskeln zu spüren und gezielt einzusetzen.

Blasenfreundlich trinken

Bei Blasenproblemen kann es zudem ein Thema sein, das Trinkverhalten anzupassen, erklärt Christoph Honegger. Dabei geht nicht nur um das wie viel, sondern auch um das was: Getränke mit Koffein, Teein und Cola können die Blase stressen. Auch Verstopfung kann sich auf die Blase auswirken, genau so wie Rauchen und Übergewicht. Schon zehn Prozent weniger Gewicht helfen. Seit einigen Jahren gibt es auch rasch wirkende Tabletten zur Behandlung der Reizblase. Sie wirken beruhigend auf den Blasenmuskel, damit er sich nicht mehr unwillkürlich zusammen zieht.

Botox für die Blase

Macht sich die Reizblase während und nach den Wechseljahren bemerkbar, muss manchmal die Schleimhaut von Harnröhre, Blase und Scheide wieder aufgebaut werden. Dazu werden Zäpfchen, Gels oder Salben eingesetzt, die Östriol enthalten, eine spezielle Form des Hormones Östrogen. Östriol ist arm an Nebenwirkungen und gilt als unproblematisch, weil es vor allem lokal wirksam ist.

In manchen Fällen kann auch Botox helfen. Der Wirkstoff Botulinum Toxin-A wird während einer Blasenspiegelung an zwanzig Stellen in den Blasenmuskel gespritzt.

Urinverlust beim Husten, bei ruckartigen Bewegungen oder beim Heben von Lasten: In solchen Fällen spricht man von einer Belastungsinkontinenz. Sie zeigt sich oft mit zunehmendem Alter oder nach einer Geburt. Hier helfen gezielte Übungen. Die Betroffenen lernen, die Beckenbodenmuskeln schnell anzuspannen, zum Beispiel beim Husten, und wieder loszulassen. Bis Muskeln und Körperwahrnehmung so weit sind, helfen Slipeinlagen, spezielle Höschen und Kontinenztampons, die individuell angepasst werden.

Wenn sich die Gebärmutter absenkt

Mit zunehmendem Alter zeigen sich oft Mischformen von Inkontinenz. Denn selten liegt der Grund für einen Harnverlust isoliert bei der Blase. Häufig leiden Frauen auch an einer Gebärmutterabsenkung oder gar einer stark ausgeprägten Beckenbodensenkung. Dabei kann die Beckenbodenmuskulatur Gebärmutter und Blase nicht mehr in Position halten. Sie sinken Richtung Scheide. Das betrifft rund jede dritte Frau ab fünfzig. Eine Beckenbodensenkung kann etwa nach Geburten entstehen oder wenn man in jungen Jahren viel und schwer heben musste. Weitere Faktoren sind ein untrainierter Beckenboden und Übergewicht.

Oft macht sich eine Senkung mit Schmerzen im Rücken, im Kreuz oder in der Leiste bemerkbar. Bei längerem Stehen oder körperlicher Arbeit werden die Schmerzen stärker; nachts, beim Liegen, verschwinden sie wieder. Möglich sind auch Schmerzen beim Sex oder ein Fremdkörpergefühl im Unterleib. Nicht immer gehört ein vermehrter Harndrang zu den Symptomen. Möglich ist auch, dass die Blase nicht mehr richtig entleert werden kann.

Würfel und Bänder

Was hilft? Eine Möglichkeit ist ein Arabin-Würfelpessar. Dieser Silikonwürfel wird durch die Scheide eingeführt, saugt sich sozusagen fest und unterstützt die Gebärmutter. Nachts wird der Würfel jeweils entfernt. In Kombination mit regelmässigem Beckenbodentraining werden damit befriedigende Ziele erreicht. Eine Alternative ist ein Ring-Pessar.

Bei Belastungsinkontinenz bezeichnet Christoph Honegger das operative Einsetzen eines synthetischen Inkontinenzbandes als «Goldstandard». Seit über zwanzig Jahren habe sich diese Methode bewährt. Das Band wird unterhalb der Harnröhre angebracht. Bei Druck von oben, wie beim Husten, schliesst das Band die Harnröhre und verhindert Urinverlust.

Operation ohne Bauchschnitt

Inzwischen können fast alle Senkungsbeschwerden durch eine Operation behandelt werden. Meist erfolgt der Eingriff durch die Scheide, also ohne Bauchschnitt, manchmal auch über eine Bauchspiegelung.

Die Entfernung der Gebärmutter kann dabei ein Thema sein. Liegt eine Blasensenkung vor, wird oft das Beckenbodengewebe rekonstruiert und die betroffenen Organe in der ursprünglichen Position fixiert. Manchmal wird der Beckenboden auch durch ein Netz verstärkt.

Aus Christoph Honeggers medizinischer Sicht ist eine Operation oft eine gut verträgliche und nachhaltige Lösung, die in jedem Alter realisierbar ist. «Es ist nie zu spät, etwas gegen Inkontinenz zu tun. Meine älteste Patientin war. 89. Ich habe sie mit Erfolg kurz vor ihrem 90. Geburtstag operiert und sie durfte noch einige Jahre beschwerdefrei leben!»

Mit Training gegen das Tröpfeln

Bei fast allen Beschwerden heisst das Zauberwort Beckenbodentraining, ebenfalls in jedem Alter. In bis zu 80 Prozent der Fälle wird mit gezielten Übungen eine deutliche Verbesserung erreicht. Aber Achtung, besteht bereits eine Inkontinenz, empfiehlt es sich nicht, allein nur mit einer Broschüre zu üben oder ein Gruppentraining zu absolvieren. Der Erfolg ist oft unbefriedigend. Wichtig ist, individuell angepasste Übungen unter der Anleitung einer spezialisierten Physiotherapeutin zu erlernen. Mit einer Überweisung eines Arztes werden die Kosten in den meisten Fällen von den Krankenkassen übernommen.

Die Spezialistinnen beginnen die Behandlung in einem ausführlichen Gespräch und einer Untersuchung. «So kann ich die Muskeln beurteilen», erklärt Dorotee Hunziker. Denn längst nicht immer sind die Beckenbodenmuskeln zu schwach. Oft ist die Spannung auch zu stark, was für viele Frauen schwieriger zu spüren ist. Ein Hinweis darauf kann ein ständig angespannter Bauch sein.

Das Übungsprogramm wird der Ausgangslage angepasst. «Die Frauen lernen, Beckenbodenmuskeln und Atmung zu koordinieren.» Dadurch verbessert sich in der Regel auch die Wahrnehmung dieser für Frauen so wichtigen Körperregion. Das braucht etwas Ausdauer. Doch die Motivation beim Training sei meist gross. «Denn praktisch immer ist der Leidensdruck hoch. Die Patientinnen möchten endlich etwas an ihrer Situation ändern.»


* Namen geändert

Was hilft dem Beckenboden?

Beckenbodentraining hilft! Doch was genau macht man dabei?«Beckenbodentraining heisst nicht, einfach die Po-Muskeln anzuspannen. Denn das sind nicht die richtigen Muskeln», erklärt Dorothee Hunziker. Vielmehr liegt die Beckenboden-Muskelschicht etwas versteckt im Innern des Körpers. «Es geht darum, die Muskeln um die Scheide anzuspannen und nach innen Richtung Bauchnabel zu ziehen»

Welche Muskeln genau gemeint sind, kann jede Frau selbst ertasten: Im Liegen oder Sitzen sanft ein bis zwei Finger in die Vagina einführen. Sich dann vorstellen, mal wolle den Harndrang zurückhalten, wieder loslassen, erneut zurückhalten.

Ist dabei um die Finger eine Muskelanspannung und Entspannung spürbar? Dann ist man auf der richtigen Spur! Eine Alternative ist, einige Finger auf die Haut zwischen Anus und Scheide zu legen. Auch dort können die Spannungsunterschiede erspürt werden.

Kugeln? Nur kurz!

Können Vaginal-Kugeln helfen, den Beckenboden zu trainieren? «Nur, wenn sie nicht zu lange am Stück verwendet werden. Fünf Minuten im Stehen reichen, zum Beispiel beim Gemüserüsten.» Bleiben die Kugeln zu lange im Körper, besteht die Gefahr einer Muskelverkrampfung. «Ist ein Muskel dauernd angespannt, ist er schlecht durchblutet.»

Es laufen lassen ist gesünder

Keine gute Idee ist es, zu «Trainingszwecken» immer wieder beim Toilettengang den Urin zu stoppen. Dadurch wird die Blasenentleerung beeinträchtigt. Denn die Blase ist ein autonomer Muskel, der normalerweise entspannt ist. Ausser beim Urinieren, da spannt er sich an. Wird der Vorgang immer wieder unterbrochen, so dass sich die Blase nicht ganz entleeren kann, steigt das Risiko von Blasenentzündungen.

Infos und Hilfe

Schweizerische Gesellschaft Blasenschwäche
Hotline für Fragen (Diskretion garantiert) und kostenloser Versand von Informationsmaterial.

Tel. 044 994 74 30
info@inkontinex.ch
www.inkontinex.ch

Pelvisuisse, Schweizerische Gesellschaft für Beckenbodenphysiotherapie
Informationen und Liste mit Therapeutinnen
www.pelvisuisse.ch

 

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