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Binationale Ehen: Vom Urwald in den Aargau

Binationale Ehe Peru – Schweiz: Dorcas und Stefan Linder aus Buchs verbindet seit 44 Jahren die Liebe, der Glaube und ihre vier Kinder. Eine Ehekrise, als ihre Kinder in der Pubertät waren, hat sie trotz aller Schwierigkeiten noch enger verbunden.


von Karin Pfister
Publiziert: 21.02.2019 / 16:24

Mitten auf der Wiese steht ein Tisch. Fünf Paare sitzen daran und strahlen in die Kamera. Auf und um und neben den Erwachsenen: sechs Buben und Mädchen.

Die Aufnahme wurde in  Buchs im Kanton Aargau gemacht. Möglich geworden ist das Bild durch eine Begegnung vor über 40 Jahren in Peru.

Einsatz in Peru

Der 21-jährige Stefan Linder, Florist aus Buchs, hatte sich nach der Rekrutenschule für einen Hilfseinsatz bei einer christlichen Mission in Peru entschieden. Bereits am dritten Tag in Südamerika traf er auf Dorcas.

Die Peruanerin wuchs in der  Stadt Iquitos auf, die mitten im peruanischen Regenwald liegt. Sie hatte sich nach einer kaufmännischen Ausbildung in der Mission in Lima anstellen lassen, erst mal zur Probe.

«Als grossen Zufall», bezeichnen die beide die Begegnung, als sie 44 Jahre später zusammen in Buchs am Küchentisch sitzen. Die Menschen auf dem Familienfoto sind ihre vier erwachsenen Kinder Sara, Claudia und die Zwillinge Carlos und Carolina mit ihren Partnerinnen und Partnern sowie die Enkelkinder.

Das Herz gespürt

Dorcas sagt über die erste Begegnung mit Stefan: «Ich habe sehr schnell sein Herz gespürt. Er hat mir sofort Vertrauen geschenkt. Es war von Anfang an eine tiefe Verbindung da.»

Stefan verbrachte die nächsten Monate in den Bergen, zwölf Autostunden von Lima entfernt. Dorcas: «Wir haben uns Briefe geschrieben und einmal im Monat gesehen.» Stefan: «Durch die geografischen Umstände ging es nicht anders: Wir mussten uns schnell entscheiden, ob wir eine ernsthafte Bindung eingehen wollten.»

Allein in die Schweiz

Dorcas, die noch nie zuvor im Ausland gewesen war, entschied sich, in die Schweiz zu fliegen. «Ich wollte die Kultur kennenlernen und zuerst mal für mich alleine schauen, ob ich in diesem Land leben kann. Wir hatten darüber gesprochen, dass – falls es mir nicht gefällt – Stefan nach Peru zieht.»

Stefan: «Als ich Dorcas in Lima zum Flughafen brachte und alleine losschickte; das war ein harter Moment.»

Binationele Ehe: Erst mal allein in die Schweiz

Während Stefan seinen Auslandaufenthalt in Peru wie geplant weiterführte, reise Dorcas allein nach Buchs. «Ich kam am 3. Juli 1975 an und wurde von Stefans Eltern, die extra für mich versucht hatten, spanisch zu lernen, herzlich aufgenommen. Ich spürte viel Wohlwollen.»

Zwei Monate später traf auch Stefan in Buchs ein. Per Brief hielt er  bei seinen Schwiegereltern um Dorcas Hand an. Am 6. April 1976 heirateten die beiden auf dem Standesamt in der Schweiz und Anfang Juni kirchlich in Peru.

Schnell geheiratet

Stefan: «Dass wir so schnell geheiratet haben, lag auch daran, dass Dorcas sonst nicht in der Schweiz hätte bleiben dürfen. Durch die Verlobung wurde ihr Visum verlängert.» Die Basis ihrer Verbindung aber war nicht die Visumspflicht, sondern immer die Liebe und der Glaube.

Stefan, der in einem christlich geprägten Elternhaus aufgewachsen ist, sagt: «Gott ist das Fundament unserer Ehe. Er gab uns die Kraft, durchzuhalten. Er war wie ein Mediator, den wir in schwierigen Situationen um Hilfe bitten konnten.»

Der Preis für die Ehe

Dorcas: «Der Preis für die Ehe mit Stefan war hoch. Ich habe meine gesamte Familie in Peru zurückgelassen. Andererseits habe ich mich durch die Heirat als die freieste Frau der Welt gefühlt. Meine Eltern waren streng und haben alles kontrolliert. An Stefans Seite konnte ich mich entfalten.»

Stefan: «Im ersten Jahr unserer Ehe haben wir in Zürich gewohnt und die Zeit damit verbracht, uns besser kennenzulernen.» Dorcas machte einen Deutschkurs und fing an, in der Migros an der Kasse zu arbeiten.

«Ich wollte Geld verdienen, um meine Familie in Peru zu besuchen. Die Flüge waren sehr teuer.» Teuer waren auch die Telefonate nach Iquitos. «Ich konnte mich immer nur kurz mit meiner Mutter unterhalten; die Kosten beliefen sich auf zwölf Franken in der Minute.»

Nachholbedarf

Die nächsten Jahre waren vom Familienleben geprägt. Dorcas kümmerte sich, so wie sie es sich immer gewünscht hatte, zu Hause um die vier Kinder; Stefan übernahm das Blumengeschäft seiner Eltern in Aarau und war durch die viele Arbeit oft absorbiert.

Dorcas: «Meine Mutter war eine Geschäftsfrau und oft weg; ich wollte dies bei meinen eigenen Kindern anders machen.» Sie besuchte Ernährungskurse, Näh- und Strickkurse und hatte bewusst wenig Kontakt zu andern Peruanern. «Ich wollte mich ganz  integrieren. Ich wollte Schweizerin werden.»

Mit den Kindern schweizerdeutsch sprechen

Am Anfang sprach sie mit den Kindern noch spanisch, doch mit der Zeit nur noch schweizerdeutsch. «Ich konnte vieles mit meiner Schwiegermutter nachholen, was ich mit meiner eigenen Mutter verpasst hatte.»

Obwohl die Erziehung der Kinder mehr schweizerisch geprägt war, blieb die enge Verbindung zu Peru. Dorcas Eltern besuchten ihre Tochter und die Enkelkinder regelmässig in der Schweiz.

Binationale Ehen: Unterschiedliche Erziehungsstile

Als die Zwillinge acht Jahre alt waren, musste Dorcas von einem Tag auf den andern im Geschäft einsteigen. Stefan: «Wir arbeiteten plötzlich den ganzen Tag zusammen. Es kam zu Spannungen, die unsere Ehe belasteten.»

Die grösste Ehekrise erlebten die beiden aber, als die Kinder in die Pubertät kamen. Dorcas: «Wir hatten unterschiedliche Ansichten in Sachen Erziehung. Dass wir beide so verschieden erzogen wurden – Stefan mit Freiheit, ich mit Kontrolle – wurde nun sichtbar und führte zu Konflikten.»

Hilfe von aussen

Geholfen hat den beiden, dass sie sich Hilfe von ausserhalb geholt haben. Diese grosse Krise war aus heutiger Sicht ein Meilenstein in ihrer langjährigen Beziehung.

Dorcas: «Wir lernten uns so selber besser kennen. Wir lernten, wieder miteinander zu reden und sind uns so noch näher gekommen.»

Spürbare Liebe

Stefan und Dorcas Linder sitzen ganz entspannt am Küchentisch während sie ihre Geschichte erzählen; ihre Liebe füreinander ist spürbar. Dorcas: «Mein Mann war mir immer eine grosse Stütze; er verliert auch in schwierigen Situationen seine Würde nicht. Ich habe viel gelernt von ihm.»

Stefan: «Ich bin dankbar, dass meine Frau so konsequent war mit den Kindern. Ich war nicht immer in der Lage, mich Konflikten zu stellen. Ich bin lieber ausgewichen.»

Dorcas und Stefan sagen heute: «Unser Ziel war immer, nie davonzulaufen. Je älter wir werden, desto mehr schätzen wir, dass wir durchgehalten und nicht einfach aufgegeben haben.»

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