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Binationale Ehen: Liebe auf den zweiten Blick

Binationale Ehen: Polen – Schweiz. Erst im zweiten Anlauf merkten Beata und Ueli Tiefenbach, dass sie einander gefielen. Inzwischen sind sie seit über 20 Jahre ein Paar. Für die gebürtige Polin Beata war es manchmal schwierig, sich in der Schweiz heimisch zu fühlen.


Publiziert: 21.02.2019 / 16:00

 Es war keineswegs Liebe auf den ersten Blick. «Am Anfang konnte ich mich überhaupt nicht für ihn begeistern», erinnert sich Beata Tiefenbach lachend.

Sie kam vor 22 Jahren erstmals aus Polen ins Seeländer Dorf Studen bei Biel. Längst fühlt sie sich hier daheim. Doch der Weg dahin war nicht immer einfach.

Als Praktikantin in die Schweiz

Mitte der 1990er-Jahre hiess Beata mit Familiennamen noch Malinowska und lebte in Górowo Iławeckie, einer Kleinstadt in Norden Polens, rund 150 Kilometer östlich von Danzig. Sie hatte einen Abschluss in Agronomie in der Tasche und sich auf Tierhaltung spezialisiert.

Gerade erst zurück von einem sechsmonatigen Praktikum in England, liebäugelte sie bereits mit einem weiteren Auslandaufenthalt. «Ich wollte nach Australien, das hätte mich wirklich gereizt.

Doch dort gab es zu der Zeit keine freien Praktikumsplätze. Aber in der Schweiz könnte ich sofort als Betriebshelferin einsteigen, erklärte man mir auf der Vermittlungsstelle»

Verzögerter Funke

Also machte sie sich auf die lange Überlandreise nach Studen, auf den Hof von Ueli Tiefenbach. Zum Landwirtschaftsbetrieb des ledigen Seeländers gehörten damals neben Acker- und Obstbau auch Mastmunis und Milchkühe.

Beate gewöhnte sich rasch an die Arbeiten auf dem Hof. Doch mit dem Land selbst und vor allem mit dem jungen Bauern wurde sie nur langsam warm. «Ich brauchte geraume Zeit bis ich merkte, was für ein warmer und aufgestellter Mann er war. Jemand, der die Welt positiv sieht.»

Bereit für eine Beziehung

«Ich war damals ein ziemlicher Lebemann», erinnert sich Ueli Tiefenbach. «Oft im Ausgang und wenn es der Betrieb zuliess, machte ich viele Reisen.» Beata fuhr nach Ende ihres Einsatzes erst mal zurück nach Polen, kam aber zum Arbeiten nochmals in die Schweiz.

Ueli Tiefenbach: «Erst da funkte es, mir gefiel ihre fröhliche Art und ich war bereit für eine feste Beziehung.» Dabei wollte Beata nie einen Landwirt ehelichen.

«Das Wort Bauer bedeutete für mich damals: Man hat nie frei.» Doch die Liebe war stärker als die Vorurteile. Das Paar heiratete zuerst auf dem Standesamt in Studen, dann kirchlich in Polen. «Das war mir wichtig.»

Der Abschied von der Heimat fiel ihr schwer. Die Eltern trugen es zwar mit Fassung, dass die Tochter der Liebe wegen auswanderte, doch die kontaktfreudige Beata traf es hart, all ihre Freunde zurücklassen.

In einer binationalen Ehe seinen Platz finden

Auf dem Hof musste sie ihren Platz erst finden. «Ich war nun nicht mehr die Praktikantin, die man nach Belieben für alle anfallenden Arbeiten einplanen konnte. Es brauchte Abgrenzungen, das war auch bei Ueli ein Prozess.»

Dazu kam: Polen galt  in der Schweiz als armes Land. «Mir war wichtig, klarzustellen, dass ich nicht des Geldes wegen hier war, sondern der Liebe wegen.»

Mit den Kindern wurde es einfacher

Beata belegte Deutschkurse, arbeitete drei Jahre bei Coop an der Kasse, um die Sprache noch besser zu lernen. Dann kamen die Kinder: Lukas, heute 18, und Paulina, 17. Die beiden sind zweisprachig aufgewachsen und besuchen das Gymnasium in Biel.

«Mit den Kindern wurde alles einfacher. Dann muss man sich anpassen.» Die Familie sollte zusammenbleiben. Das war ihr viele Anstrengungen wert. Lange Zeit fühlte sie sich aber nicht richtig heimisch in der Schweiz.

Nach jeder Reise in die alte Heimat fiel die Rückkehr schwer. «Da war nur schon die Sprache. In Polen musste ich nicht jedes Wort suchen, konnte mich spontan ausdrücken. Das fehlte mir hier.»

Unterschiedliche Ansichten

Auf Mentalitätsunterschiede angesprochen, fällt Beata Tiefenbach die Kindererziehung ein. Lukas und Paulina seien ungezwungener erzogen worden, als es hier üblich sei. Auch würden die Schweizer die Leute weniger gern ins Haus lassen.

«Viele Gespräche finden zwischen Tür und Angel statt, ohne dass man jemanden für einen Kaffee hinein bittet.» Sie schätzt es, dass die Schweizer sehr korrekt sind, wenn auch eher konfliktscheu. «Manche tun sich schwer damit, wenn ich mit meiner direkten Art alles an- und ausspreche.»

Mit der Familie etwas unternehmen

Beata habe ihren Stolz, doch sie sei nicht nachtragend, antwortet Ueli Tiefenbach auf die Frage, was denn typisch für seine Frau sei. «An einem Sonntag daheim herumsitzen ist für sie Horror. Sie will mit der Familie etwas unternehmen. Glücklicherweise passt das auch unseren Kindern, die sind meist gerne dabei.»

Es gäbe zudem Themen, da seinen die Ansichten der Ehepartner grundverschieden. «Zum Beispiel religiöse Themen. Wir wissen inzwischen, dass diskutieren nichts bringt. Also lassen wir es gleich.»

Eine binationale Ehe heisst auch: zweimal Heimat

Da erst Englisch und später Deutsch die gemeinsamen Sprachen waren, hat Ueli Tiefenbach nie Polnisch gelernt, was er heute manchmal bedauert. «Wenn wir die Verwandten in Polen besuchen, fühle ich mich etwas ausgeschlossen, auch wenn sich alle viel Mühe geben.» 

Beata Tiefenbach ist angekommen in ihrer neuen Heimat. Die Tierhaltung haben sie und ihr Mann vor vier Jahren aufgegeben. Beide arbeiten heute drei Tage in der Woche beim Aviforum, einer Stiftung zur Förderung der Schweizerischen Geflügelproduktion und -haltung in Zollikofen.

«Ich bin stolz, hier zu sein», sagt die 50-Jährige. «Ich liebe die Berge und ich habe Skifahren gelernt.» Sie freut sich aber auch, dass ihre Kinder immer wieder gerne nach Polen reisen. Dort sind ihre ursprünglichen Wurzeln. Im Berner Seeland hat sie neue Wurzeln getrieben. Hier will sie mit ihrem Mann alt werden.

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